Im Norden verschwendet, im Süden verwendet: Gefahren und Chancen des Exports von Elektroschrott und Elektroaltgeräten

In Zeiten fortschreitender Digitalisierung werden weltweit zunehmend mehr Elektrogeräte (E-Geräte) produziert. Da gleichzeitig die durchschnittliche Einsatz- und Lebensdauer abnimmt, steigt die Menge an E-Altgeräten und E-Schrott gegenwärtig rasant an: Laut Global E-Waste Monitor 2017 ist E-Schrott die weltweit am stärksten wachsende Müllart. Der sogenannte Globale Norden weist dabei die höchste Pro-Kopf-Produktion auf, doch auch im Globalen Süden steigt die Nachfrage nach E-Geräten durch eine wachsende Mittelschicht stark an. Da dort weniger heimische Produktion existiert, werden u.a. preiswerte Altgeräte aus dem Globalen Norden bezogen. Auch Deutschland exportiert mindestens fünf Prozent seiner E-Altgeräte. Allerdings stoßen diese nach Ende ihrer Lebensdauer meist auf mangelhafte Recyclingstrukturen. So werden global nur ca. 20 % des E-Schrotts formell gesammelt und sachgemäß recycelt, während der Rest entwe- der auf Deponien entsorgt oder unsachgemäß verwertet wird. Dies führt aufgrund der toxischen Bestandteile von E-Geräten zu teils verheerenden Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen und darüber hinaus zu einem hohen Verlust wertvoller Rohstoffe. Indes- sen bietet der Import von E-Altgeräten für immer mehr Menschen eine Möglichkeit der Teilhabe am digitalen Zeitalter. Das E-Schrott-Problem ist demnach mit erheblichen Herausforderungen verbun- den: Auf dem Weg zu einer fairen, globalen Kreislaufwirtschaft müssten durch die Staaten im Süden – ggf. unterstützt durch die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) –Recyclingstrukturen etabliert werden, während Produzent*innen im Norden vermehrt in Ökodesign investieren und sich einem System Erweiterter Herstellerverantwortung verschreiben müssten. Zudem könnten eine aktive Zivilgesellschaft und sensibilisierte Konsument*innen zu nachhaltigerem Umgang mit E-Geräten und zur Reduktion der E-Schrott-Produktion beitragen.

Schreiner, Lukas, Sarah Marie Müller, Amélie Bohlen, Karen Dall, Eva-Maria Graf, Thomas Grupp, Sergio Rakotozafy, Jana Zotschew