Entwicklungszusammenarbeit gestalten

Inhalte und Methoden für ein erfolgreiches Wirken in einem komplexen Berufsfeld

Auch nach über fünf Jahrzehnten steht die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) im Spannungsfeld zwischen hohen Erwartungen und fundamentaler Kritik. Während einige Stimmen EZ als wirkungslos oder gar schädlich bewerten, fordern andere umfassendere finanzielle Mittel oder tiefgreifende Reformen. Der Artikel unterscheidet drei Kritikergruppen: fundamental Ablehnende, ökonomisch Optimistische und systemimmanent Reformierende. Letztere erkennen zwar strukturelle Schwächen, sehen aber Reformpotenzial, insbesondere durch qualitativ hochwertige Umsetzung, partnerschaftliche Zusammenarbeit und Kontextsensibilität. Die internationale Reformagenda – etwa durch die High Level Foren zur Wirksamkeit der Hilfe – setzte mit der Paris-Erklärung 2005 wichtige Impulse, deren Umsetzung jedoch vielfach hinter den Erwartungen zurückblieb. Nur ein Drittel der gesetzten Ziele wurde bis 2010 erreicht. Besonders Budgethilfe und Results-Based Aid erwiesen sich als ambivalent. Das High Level Forum in Busan 2011 bemühte sich um breitere Partnerschaften, verlagerte den Fokus aber von “Aid Effectiveness” zu “Development Effectiveness”, was den Reformdruck abschwächte. Die Analyse der Millennium Development Goals (MDGs) zeigt Fortschritte, aber auch methodische Defizite und starke regionale Disparitäten. Politischer Wille, gute Regierungsführung und partizipative Prozesse bleiben entscheidend. Angesichts globaler Krisen und wachsender Ungleichheiten braucht es eine differenziertere EZ, die stärker zwischen Ankerländern und fragilen Staaten unterscheidet. Während mit Ersteren globale Herausforderungen kooperativ angegangen werden sollten, ist bei Letzteren Stabilisierung vorrangig. Die EZ steht somit weiterhin vor der Aufgabe, sich strukturell zu erneuern, ohne ihren Anspruch aufzugeben. Kontinuierliche Reform, nicht Abschaffung, bleibt der vielversprechendste Weg.

Fiege, Karin, Theo Rauch, Susanne Neubert, Bela Allenberg, Christina Bollin, Erik Engel, Dirk Sprenger, Gabriele Zdunnek, Ekkehard Kürschner, Helge Roxin, Michael Hagedorn, Gabi Struck, Christian Berg, Mirco Gaul, Gesa Grundmann, Anja Kühn