Koloniale Kontinuitäten

Koloniale Kontinuitäten

Im Schatten der Schuld

– Kann Deutschland die Forderungen nach reparativer Gerechtigkeit durch Entwicklungszusammenarbeit erfüllen?

Aktivist:innen und Nachfahren derjenigen, die von kolonialer Gewalt betroffen waren, setzen sich hartnäckig für reparative Gerechtigkeit ein. Neben einer Entschuldigung fordern sie konkrete Maßnahmen, um die Folgen vergangener Gräueltaten abzumildern, die bis heute spürbar sind. Auch Deutschland sieht sich solchen Forderungen gegenüber, insbesondere, aber nicht ausschließlich, im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Ovaherero und Nama, Damara und San zwischen 1904 und 1908. Nach jahrelangen Dialogen erzielten Regierungsdelegationen aus Deutschland und Namibia 2021 eine Vereinbarung. Diese gemeinsame Erklärung ist jedoch noch nicht unterzeichnet und steht unter starker Kritik betroffener Nachfahrengruppen und ihrer Unterstützer:innen. Sie argumentieren, dass die vorgeschlagenen bilateralen Mittel, die vor allem für Entwicklungsprogramme vorgesehen sind, eine unaufrichtige und unzureichende Herangehensweise an Reparationen und reparative Gerechtigkeit insgesamt darstellen würden. Dieses Papier diskutiert die folgende Frage: Ist die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ein geeignetes Instrument, um reparative Gerechtigkeit effektiv zu fördern?

Keywords: Reparative Gerechtigkeit, Postkoloniale Reparationen, Koloniale Gewalt, Völkermord an den Ovaherero und Nama, Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit, Deutsch-Namibische Beziehungen, Reparationsdebatte, Interessenvertretung der Nachfahren

Picture of Theresa Wolf

Theresa Wolf

62. Jahrgang (SLE)

Picture of Leander Heblich

Leander Heblich