Forschung praktisch gestalten

Aktions- und Entscheidungsorientierte Untersuchungen

Wie kann Forschung gesellschaftliche Relevanz erlangen und konkrete Beiträge zur Lösung aktueller Probleme leisten? Diese Fragen sind seit langem in der wissenschaftlichen Gemeinschaft präsent, gewinnen aber angesichts globaler Herausforderungen wie Ressourcenabbau, Armut, Klimawandel und Ernährungsunsicherheit zunehmend an Bedeutung. Neben großen Zukunftsentwürfen steht vor allem die Entwicklung kontextgerechter, lokaler Lösungen im Fokus. Forschung soll angepasste Innovationen ermöglichen und verschiedene Akteure wie internationale Organisationen, nationale Behörden und Zivilgesellschaft bei der Entwicklung von Alternativen unterstützen. Die Debatten fußen auf der Erkenntnis, dass Forschung wirkungsorientierter sein muss, normative Forderungen zur gezielten Beeinflussung von Entscheidungen bestehen und die Demokratisierung von Wissen sowie die Einbeziehung vielfältiger Perspektiven essenziell sind. Forschende werden nicht mehr nur als Wissensgeneratoren, sondern als „knowledge brokers“ und „change agents“ gesehen. Dies erfordert die Stärkung institutioneller Problemlösungsfähigkeiten. Das Konzept der „Aktions- und Entscheidungsorientierten Untersuchungen“ (AEU), entwickelt an der Humboldt-Universität, dient als Leitfaden für praxisnahe Forschung. AEU folgt vier Prinzipien: Wirkungsorientierung, Team- und Partnerbezug, angemessene Qualität sowie Mehrebenenansatz und Multidimensionalität. Forschung wird gemeinsam mit Kooperationspartnern durchgeführt, mit dem Ziel, handlungsrelevante Erkenntnisse bereitzustellen. Interdisziplinäres, interkulturelles und transdisziplinäres Arbeiten sowie kontinuierlicher Dialog mit den Nutzer*innen sichern die Relevanz und Umsetzbarkeit der Forschungsergebnisse.

Fiege, Karin