Ländlicher Strukturwandel in Subsahara Afrika

Konzeptionelle Studie

Die vorliegende Studie zum Strukturwandel in Subsahara Afrika (SSA) ist ein konzeptioneller Beitrag zum Forschungsvorhaben „Ländlichen Strukturwandel in Afrika sozial inklusiv und ökologisch nachhaltig gestalten“. Ziel ist es, Trends des ländlichen Strukturwandels in SSA aufzuzeigen, Einflussfaktoren zu identifizieren sowie aktuelle Debatten zur Gestaltung dieses Wandels vor dem Hintergrund empirischer Analysen zu bewerten. Die Makroanalyse des postkolonialen Strukturwandels in SSA zeigt, dass trotz einer Verdreifachung der Agrarproduktion seit 1960 und zunehmender Verstädterung ein messbarer Strukturwandel bisher nur verhalten stattgefunden hat. Noch immer leben fast zwei Drittel der Haushalte überwiegend von der Landwirtschaft. Die Produktionssteigerung basiert vorwiegend auf einer Zunahme kleinbäuerlicher Produzenten mit weitgehend unveränderten Techniken. Die Verstädterung resultiert vor allem aus der Verlagerung zu nicht-landwirtschaftlichen Einkommensquellen innerhalb diversifizierter ländlich-städtischer Lebenssysteme, die jedoch überwiegend unproduktive, informelle und unsichere Tätigkeiten darstellen und keine Alternative, sondern Ergänzung zur Landwirtschaft bieten. Das Haupthemmnis für einen beschleunigten Strukturwandel ist die mangelnde Dynamik bei der Schaffung gesicherter, produktiver nicht-landwirtschaftlicher Einkommensquellen. Seit 2008 zeigen sich aufgrund steigender globaler Agrargüternachfrage und Ressourcenverknappung Tendenzen zur Intensivierung der Agrarproduktion. Für eine sozial inklusive und ökologisch nachhaltige Entwicklung ist die Einbeziehung der ärmeren Kleinbauern in ökologische Intensivierungsprozesse essenziell, ergänzt durch verbesserte nicht-landwirtschaftliche Einkommensmöglichkeiten. Eine reine Freisetzung von Arbeitskräften ohne produktive Beschäftigungsalternativen führt zu sozialer Exklusion.

Rauch, Theo, Gabriele Beckmann, Susanne Neubert, Simone Rettberg