Ein Großteil der Menschen in Afrika südlich der Sahara organisiert seine Lebensführung über räumlich weit auseinanderliegende Zusammenhänge hinweg. Die Herausbildung translokaler Livelihoods ist kein neues Phänomen, gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung und beeinflusst sowohl die Stadtentwicklung als auch den ländlichen Strukturwandel stärker als bisher. Trotz ihrer Relevanz werden diese informellen Land-Stadt-Verflechtungen von Entwicklungsexperten in Wissenschaft und Praxis häufig vernachlässigt, was vor allem institutionelle Ursachen hat. So existieren spezialisierte Fachgemeinschaften für Stadt- und ländliche Entwicklung, die weitgehend unabhängig voneinander agieren und sich selten austauschen. Die Regulierungs- und Förderbedarfe werden daher meist getrennt betrachtet, entweder unter städtischen oder ländlichen Gesichtspunkten. Zudem fokussieren Politik und Verwaltung noch immer auf territoriale Einheiten und halten an lokalen Entwicklungsansätzen fest, wobei Migration und Entwicklung oft als alternative statt als verknüpfte Prozesse gesehen werden. Trotz dieser Hindernisse ist es dringend geboten, eine translokale Perspektive einzunehmen und anzuerkennen, dass Land und Stadt sozioökonomisch eng verflochten sind. Nur so kann die Komplexität translokaler Verflechtungen und deren Auswirkungen auf die Existenzsicherung vieler Menschen in Subsahara-Afrika angemessen verstanden werden. Mobilität und räumliche Verflechtungen sind integrale Bestandteile sowohl ländlicher als auch urbaner Entwicklung. Dieses Discussion Paper unterstreicht die Bedeutung translokaler Livelihoods und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung dieser Perspektive in Forschung und Entwicklungsarbeit.
Translokale Livelihoods und ländlicher Strukturwandel in Subsahara-Afrika
Authors
Steinbrink, Malte
Type of publication
Study
Status
Type of projcect
Edition and year
2017
DOI
10.18452/18004
Language
German
Country
Link to project
https://edoc.hu-berlin.de/items/5b0a5dac-18bd-43e4-a60c-291008643426
