Zivilgesellschaftsförderung und Resilienz in Haiti

Der Beitrag der Zivilgesellschaft zur Stärkung vonResilienz unter Bedingungen fragiler Staatlichkeit

Im Kontext globaler Krisen wie Naturkatastrophen, Klimawandel und Terrorismus gewinnt die Stabilisierung fragiler Staaten in der Entwicklungszusammenarbeit an Bedeutung. Die Deutsche Welthungerhilfe (WHH) ist seit 1974 in Haiti aktiv, einem der am wenigsten entwickelten Länder mit einer ernsten Ernährungslage, und fördert dort ländliche Entwicklung, Ernährungs- und Existenzsicherung sowie Katastrophenvorsorge. Die SLE-Studie untersucht, ob eine gestärkte Zivilgesellschaft zur Resilienz lokaler Gemeinschaften beitragen kann, indem sie die Maßnahmen der WHH zur Förderung zivilgesellschaftlicher Basisgruppen analysiert. Die Datenerhebung erfolgte durch 137 Interviews in Jacmel, Ouanaminthe und Port-au-Prince. Die Studie basiert auf den Konzepten Zivilgesellschaftsförderung und Resilienz, wobei letztere als Fähigkeit verstanden wird, Belastungen zu begegnen und sich anzupassen. Die Untersuchung identifiziert soziale Strukturen wie Nachbarschaftshilfe und den Kombit, die im fragilen haitianischen Kontext staatliche Aufgaben übernehmen. WHH konzentriert sich auf Gruppen mit ökonomischen Interessen und integriert Zivilgesellschaftsförderung in deren Aktivitäten, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Kritik besteht hinsichtlich der mangelnden finanziellen Eigenständigkeit und unzureichend zugeschnittener Unterstützung. Die Untersuchung zeigt, dass eine stärkere Vernetzung und Kapazitätsentwicklung sowie die Förderung der politischen Rolle der Zivilgesellschaft die Resilienz und Funktionsfähigkeit der Gemeinschaften weiter stärken könnten. Ziel der Studie ist es, Good Practices abzuleiten und die Wirksamkeit der WHH-Maßnahmen zur Resilienzsteigerung zu bewerten.

Kühn, Anja, Daniel Böhme, Bianca Kummer, Neomi Lorentz, Jonas Schüring, Klemens Thaler